Gegen den Coronablues - Eine kleine Wildbienengeschichte

 

🐝Eine kleine Bienen-(Liebes)geschichte🐝

 

Das ist "Vio", eine Schwarzblaue Holzbiene und Vio ist mein Freund. Nun kann man sagen, wie ist es möglich mit einer Biene befreundet zu sein? Ich versuche es zu erklÀren....

Dazu muss ich ein bisschen ausholen und erzÀhle Euch, wie wir uns kennenlernten:

Alles begann vor einigen Wochen, als ich wie immer, morgentlich auf meiner Bank hinter der Scheune sitzend, meinen Tee trinke. Vor mir die wunderschöne Landschaft der Nuthe-Nieplitz-Region und hinter mir ein sumsiges Treiben an meiner Scheunenwand, an der verschiedene Insektennisthilfen hÀngen.

Eins mit der Natur, fern vom Altag, gibt es keinen schöneren Platz um die Seele baumeln zu lassen.

Ich genieße es immer unwahrscheinlich.

Durch ein tiefes Brummen aus den Gedanken gerissen, schaue ich mich nach dem Verursacher dieses mir lieblichen GerÀusches um. Siehe da! Wieder eine Holzbiene, von denen einige Exemplare in unserem Garten herumfliegen.
Aber diesmal ist es anders: Ich werde beobachtet. Mit großen dunklen Facettenaugen schwirrt es mir um den Kopf und schaut mir direkt ins Antlitz. "Oh" staune ich und freue mich, ob der intensiven Kontaktaufnahme. Der Dicke Brummer fliegt auf, um sich auf der Lehne am anderen Ende der Bank in 2 Metern Entfernung niederzulassen.

Ich denke "wie schön"! und schaue mir den Bankgenossen vorsichtig nĂ€her an. Der Bienenkunde nicht ganz unmĂ€chtig habe ich das Rieseninsekt schnell entlarvt: Es ist ein MĂ€nnchen der Schwarzblauen Holzbiene Xylocopa violacea, unsere grĂ¶ĂŸte heimische Wildbiene. Der "Herr" eindeutig an den auffĂ€lligen FĂŒhlerenden zu erkennen.
Aber Moment, was ist das? Da fehlt ja was!

Der hĂŒbsche Geselle hat eine Behinderung, ihm fehlen ein paar Glieder des linken FĂŒhlers.
WÀhrend ich noch im Mitleid schwelge, hebt er ab und schwirrt davon. Nun gut, es scheint ihn nicht einzuschrÀnken, denke ich und widme mich weiteren Natur- und Gartenfreuden.

Der Wildbienenmann ist erstmal vergessen.
Aber was soll ich sagen, die Geschichte wĂ€re nicht vollendet, wĂŒrde sie nicht noch weiter gehen...
Am nÀchsten Morgen ist er wieder da!
Bei meinem Aufwachtee, in der Sonne, neben mir, auf der Bank.

Ich erkenne ihn sofort, mit seiner fehlenden Antennenspitze.
Zuvor gibt es natĂŒrlich wieder die obligatorische Inspektion seinerseits, Umfliegen, Anstarren usw..
Platz nehmend in gebĂŒhrendem Abstand auf der Armlehne, glĂ€nzen seine FlĂŒgel in den schönsten Blau-und Lilatönen in der Sonne. Ich bin begeistert! Freue mich ĂŒber dieses ĂŒberraschende Wiedersehen und taufe den hĂŒbschen Gesellen spontan "Vio". Probehalber und zur Vertiefung unserer freundschaftlichen Beziehung sage ich vorsichtig "Hallo". Er sagt nichts, aber er guckt. Wunderbar!
Diesmal ist auch Vio sichtlich entspannter, fliegt emsig herum, vertreibt Artgenossen, nimmt wieder neben mir Platz. Heute etwas nĂ€her als gestern. Ich bin aufgeregt und freue mich noch mehr. FĂŒhle mich zudem auch ein bisschen geehrt. Meine Wohlgesonnenheit wird offenbar wahrgenommen und das Freundschaftsangebot

scheint nicht unerwidert.
So vergehen die Tage ...Vio und ich gemeinsam auf der Bank, jeder darf ein Wenig am Leben des anderen teilhaben. Vio lauscht meinen Telefonaten und verfolgt mein KeksekrĂŒmeln beim Teetrinken, nimmt meine Fotografierversuche seiner Wildbienenpersönlichlichkeit lĂ€ssig hin...
Ich werde Zeugin von Revierverteidigungen, Paarungsambitionen mit vorbeiflanierenden Wildbienendamen, BlĂŒtenbesuchen und gemĂŒtlichen SonnenbĂ€dern inklusive Körperpflege.
Immer ein StĂŒckchen nĂ€her kommt er, verliert die Scheu vor mir, diesem großen SĂ€ugetier.

Mein Herz schlĂ€gt höher, jeden Morgen in freudiger Erwartung meines pelzigen blauflĂŒgeligen Freundes.
Derzeit sind wir bei 50 cm Abstand.

Nun gut, kein Kontaktsitzen will man meinen, aber wesentlich mehr als von mir erhofft.
Schließlich soll man ja bekanntlich auch nichts ĂŒberstĂŒrzen.
Wir gehen es langsam an, mein Freund Vio und ich. Da sind wir uns einig.
Das Holz-Bienenjahr hat ja erst angefangen .....

 

Urheberrechte und Copyrights: Ariane Hofmann - Hortus Terrigenus e.V.-